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Thüringen: Die Bekämpfung des Holzwurms am Cranach-Altar im Dom von Erfurt

Ungiftige Stickstoff-Begasung gegen Holzwürmer

 

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Umfangreiche Untersuchungen ergaben Schädlingsbefall am wertvollen barocken Altarretabel im Dom, welches das Tafelbild "Die Verlobung der heiligen Katharina" von Lucas Cranach dem Älteren (geb. 1472) umgibt. Mittels ungiftigem Stickstoff wurde den Schädlingen, die sich ins Holz eingefressen haben, durch Begasung zu Leibe gerückt.

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Ausgeführt wurde die Begasung von Firma "Binker Materialschutz GmbH". Geschäftsführer und Kammerjäger Joachim Binker und zwei seiner Begasungstechniker hausten den Cranach-Altar mit einem luftdichten Folienzelt ein. Danach wurde Stickstoff aus einem Stickstoff-Generator in die Einhausung eingeleitet, das die Holzwürmer im Laufe von mehreren Wochen erstickte. Zusätzlich musste dabei das Klima im Begasungszelt aufwändig geregelt werden, um Risse und sonstige Trocknungsschäden am Altar zu vermeiden.

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"Ein völlig ungiftiges Verfahren", sagt Joachim Binker. "Der Stickstoff wird aus der Luft gewonnen. Dazu leitet man die Luft in eine Gaszerlegungsanlage, die die 78 Prozent Stickstoff von den ca. 21 Prozent Sauerstoff trennt. Der gewonnene Stickstoff fließt dann in die Einhausung des Altars und tötet nach und nach die Holzschädlinge, weil ihnen der Sauerstoff fehlt. Der Vorteil an diesem Verfahren ist, dass wir den Dom nicht absperren müssen, weil kein Giftgas verwendet wird", unterstreicht Joachim Binker.

Allerdings braucht dieses ungiftige Verfahren seine Zeit. Gut sechs Wochen dauert es, bis das Folienzelt wieder abgebaut werden kann. Die Gründe liegen für Joachim Binker auf der Hand: "Einmal sind Insekten gegenüber Sauerstoffabschluss widerstandsfähiger als andere Organismen", sagt er. "Außerdem müsse man die verschiedenen Entwicklungstadien des Nagekäfer-Insekts berücksichtigen. Larven und Käfer sterben ebenso wie Eier und Puppen."

Beaufsichtigt wurde die Begasung auftraggeberseits von Dr. Falko Bornschein, der neue Erfurter Kunstbeauftragte:

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"Die Erhaltung der Kunst ist eine wichtige Aufgabe", beschreibt er seine Tätigkeit, "mich interessiert aber nicht nur die Stilgeschichte, sondern vor allem, wer hat damals was aus welchen Gründen geschaffen und was waren seine religiösen Anliegen. Dann erst beginnt die Sache lebendig zu werden. Eine Kirche sei eben kein Museum, sondern sei von Menschen geschaffen worden, die mit dem Gebäude und den Gegenständen gelebt haben."

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