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Messingkäfer

Messingkäfer (Niptus hololeucus)


MessingkäferDer Messingkäfer (Niptus hololeucus) ist ein Käfer aus der Unterfamilie der Diebskäfer (Ptinidae).
Der Käfer wird 3 bis 5 Millimeter groß und hat eine spinnenähnliche Gestalt mit einem fast halbkugeligen Hinterleib. Namensgebend und auffällig ist die dichte goldgelbe Behaarung des messingfarbenen Insekts. Die Käfer haben keine Hinterflügel und sind daher flugunfähig, dafür gute Läufer. Der Messingkäfer wurde durch den Menschen verschleppt und ist heute weltweit verbreitet, in Europa seit 1837 bekannt.

Foto rechts: Messingkäfer


Die Messingkäfer leben vor allem in alten Häusern unter Dielen oder in Wänden, dort meist in den Schüttungen, die zu Wärmedämmzwecken eingebracht wurden. Die Käfer sind nachtaktiv und ernähren sich von allen möglichen organischen Stoffen, wie Leder und Textilien, Federn, Pelzen, Papier. Auch tote Insekten werden vertilgt. Damit ist der Messingkäfer ein Recycler. Gerade bei Ausbauten oder Sanierungen werden sie aus ihren Schlupfwinkeln vertrieben und ihre Wanderwege werden gestört. Sie treten dann massenhaft in den Wohnungen auf. Der von den Messingkäfern angerichtete materielle Schaden ist meist begrenzt, doch können die Käfer bei den Hausbewohnern nicht nur lästig werden, sondern verursachen sogar schwere psychische Schäden und Phobien. Voraussetzung für Massenplagen sind günstige Lebensbedingungen und gutes Nahrungsangebot in sehr ruhigen, feuchten und dunklen Umgebungen. Prädestiniert sind alte Gebäude mit Unterdielen-Hohlräumen mit Schüttungen (meist bestehend aus Getreideabfällen) Häcksel oder ähnlichem Füllmaterial zur Wärmedämmung. Bei Störungen durch Umbauaktionen oder Renovierungen kann die Befallsausbreitung explosionsartig erfolgen.


Das Messingkäfer-Weibchen legt ca. 100 bis 150 Eier, aus denen nach kurzer Zeit (ca. 14 Tage) die Larven schlüpfen. Die bis 1mm langen Eier sind länglich-oval, je nach Alter weiß-gelblich und mit einem klebrigem Sekret überzogen, an dem zur Tarnung Nahrungs- und Staubpartikel aus der Umgebung kleben. Die Messingkäfer-Eier sind somit schwer zu entdecken. Die geschlüpften Larven sind Allesfresser; sie ernähren sich von Getreide, Mehl, Tee, Samen oder Häuten und Pelzen. Sie sind weiß- bis gelblich gefärbt, je nach Alter 1,5 mm bis 7 mm lang, gekrümmt und leicht behaart und besitzen kleine Beinchen.


Die Larve verpuppt sich nach einer zwei bis drei Häutungen in einem gesponnenen Kokon mit einer Puppenruhe von ca. 15-18 Tagen, bevor sie als Käfer (Imago) schlüpft. Insgesamt dauert die Gesamtentwicklung vom Ei bis zum Erscheinen der Käfer gut vier Monate. Dies ergibt ein bis zwei Generationen pro Jahr. Die umhervagabundierenden Käfer leben dann noch ca. 5 Monate. Bei günstigen klimatischen Verhältnissen und gutem Nahrungsangebot erfolgt in etwa fünf Wochen eine Bestandsverdoppelung.


Umherwandernde Käfer können erhebliche Schäden an Textilien durch Löcher von meist rundlicher Form, zuweilen mit ausgefransten Rändern, erzeugen. Messingkäfer sind sehr lichtscheu und ruhen tagsüber in Ritzen und Spalten, hinter Sockelleisten und unter Fußmatten, Teppichen und in Zwischenböden. Nachts sind die Käfer sehr wanderfreudig und treten so im ganzen Haus auf, bevorzugt in Feuchträumen (Bäder und Toiletten, Waschküchen, Wäschetrockenräumen, Küchen), an feuchten Wänden und Gegenständen.


Die Einschleppung des Messingkäfers in Häuser erfolgt meist mit Waren und häufig auch durch Zuwanderung aus Nachbarhäusern über Schächte, Lichtleitungen, Leerrohre und über Ritzen, Mauerwerksfugen und über Durchgänge im Freien zwischen einzelnen Häusern. Auch aus Ställen und Vogel- oder Wespennestern verbreiten sie sich. Die Larven sind sehr ortstreu und bleiben im Nährsubstrat an ihren Brutplätzen. Das Temperaturoptimum für das Wachstum und die Entwicklung liegt bei ca. 20° bis 22° C. Von August bis in den November hinein und im Frühjahr beobachtet man meist stärkeres Auftreten der Käfer.


Bekämpfung:

Als Voraussetzung für die Beseitigung eines Messingkäferbefalls müssen die Brutstätten ausfindig und eliminiert werden. Schüttungen müssen ausgebaut und entsorgt werden. Zur Vorbeugung und zur Abtötung von noch umherstreunenden Einzeltieren wird von uns ungiftiges Silicapulver zwischen die Balkenfelder eingestreut. Bei Kontakt verletzen sich die Messingkäfer mechanisch an den Spießen und Spitzen des Silikats oder trocknen aus.
Befinden sich die Brutstätten in kaum zugänglichen Fehlbodenschüttungen, sind die Hohlräume über die Fußböden oder Decken an vielen Stellen anzubohren und mit ungiftigem Silicapulver oder in hartnäckigen Fällen mit einem Insektizid auszustäuben. Letzteres führt jedoch sukzessive zu einer Chemikalienbelastung des Gebäudes, insbesondere bei Wiederholungen des Einstäubevorgangs.


Eine Befallsdezimierung des Messingkäfers kann auch mit biologischer Schädlingsbekämpfung erfolgen. Hierbei werden z.B. Lagererzwespen eingesetzt.

lagererzwespe
Lagererzwespe beim Anstechen einer Larve


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Lagererzwespe (Aufsicht)


Lagererzwespen
Lagererzwespen bereit zum Einsatz


Die einheimische Lagererzwespe findet versteckt lebende Messingkäferlarven außergewöhnlich gut dank ihres Geruchsinnes. Eine Wespe selbst hat einen Aktionsradius von ca. 4 m. Die im Innern von Gebäuden befindlichen ausgewachsenen Käferlarven des Messingkäfers werden -soweit für die Lagererzwespen erreichbar- abgetötet. Messingkäfer-Eier,-Puppen oder Käferadulte werden allerdings nicht parasitiert, sondern nur ausgewachsene („fette") Larven.


Wie läuft die biologische Schädlingsbekämpfung mit Lagererzwespen ab?

Die Larve der Messingkäfer wird von der Lagererzwespe aufgespürt und parasitiert, indem die Schlupfwespe ihren Legebohrer in das Substrat (Schüttmaterial) einbohrt und den Wirt (=Messingkäfer-Larve) ansticht. Anschließend legt sie ein Ei neben oder in die Käferlarve. Nach ein bis zwei Tagen schlüpft die Larve der Schlupfwespe und frisst die Messingkäferlarve auf. Nach dem Schlupf nagt sich die junge Wespe aus dem Substrat und gelangt ins Freie, bereit für die Suche nach einer neuen Messingkäferlarve.


KugelkäferDer Einsatz der Lagererzwespen bietet insbesondere dort Vorteile, wo Kontaktinsektizide (z.B. bei Hohlraumbohrungen) ungenügend wirksam sind oder andere Bekämpfungsmethoden nicht ausgeführt werden können. Durch den Einsatz der Lagererzwespen findet aber keine vollständige Befallseleminierung der Messingkäfer statt, sondern bestenfalls nur eine Befallsdezimierung.

Foto rechts: Kugelkäfer


Weil die Lebensweise ähnlich ist, können mit den gleichen Methoden und Mitteln auch andere Diebskäfer wirksam bekämpft werden, nämlich

  • Kugelkäfer (Gibbium psylloides)
  • Kräuterdieb (Ptinus fur)
  • Australischer Diebskäfer (Ptinus tectus)
  • Chilenischer Diebskäfer (Trigonogenius globulus)

 

Kräuterdieb
Kräuterdieb
Australischer Diebskäfer
Australischer Diebskäfer
Chilenischer Diebskäfer
Chilenischer Diebskäfer


Bei schwerem Messingkäfer-Befall und wenn andere Methoden unerwünscht, zu langwierig oder versagt haben, dann muß eine Hauszelt-Begasung ausgeführt werden. Hierbei wird über das befallene Gebäude eine Zeltplane gasdicht gezogen und dann Altarion Vikane (Sulfuryldifluorid) eingeleitet.

hauszeltbegasungHauszelt-Begasung gegen Messing- und Kugelkäfer


Dieses gasförmige Begasungsmittel dringt in alle Ritzen, Fugen und Spalten, in alle Hohlräume und Käferverstecke ein, wie auch der für die Messingkäfer lebensnotwendige Luftsauerstoff. Nach einer Einwirkzeit von einigen Tagen wird das begaste Gebäude wieder belüftet und zum gefahrlosen Betreten wieder freigegeben. Es verbleiben im Gebäude keine giftigen Rückstände und alle Käferstadien incl. der Brut sind vernichtet.

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Hunderte tote Messingkäfer nach einer Begasung


Die Hauszeltbegasung ist ein sehr elegantes Verfahren. Da die Begasung nicht vorbeugend wirksam ist (es bleibt ja kein Wirkstoff im Gebäude zurück!), muß einem erneuten Eindringen der Messingkäfer entgegengewirkt werden. So sollten z.B. Verbindungen zu Nachbarhäusern gekappt werden, wie Fassaden-berührende Baumäste, Sträucher etc. über die Messingkäfer zuwandern könnten. Unterirdische Leitungen, Leerrohre, Schächte etc. sollten wo erforderlich zum Barriereaufbau mit Insektiziden nachbehandelt werden.

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