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Teilbegasungen in Kirchen

Bei einer Teilbegasung gegen den Gewöhnlichen Nagekäfer wird nicht der gesamte Kircheninnenraum begast, sondern nur z.B. ein Altar an einer Kirchenwand, weil überprüfungsgemäß nur dieser befallen ist. Der Altar wird in Gassperrfolie eingehaust und so vom Kircheninnenraum abgetrennt.

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Beispiele für eingehauste Altäre mit Wandkontakt zwecks Teilbegasung

Wegen des ungünstigen Raumvolumen-Oberflächen-Verhältnisses ist der Gasverlust bei dieser Teilbegasung allerdings höher als bei einer Begasung des gesamten Kircheninnenraums. Die Gaskonzentration des SF sinkt schneller ab als bei der Raumbegasung und zwar wird c1 /2 noch während der Einwirkzeit erreicht, die Halbwertszeit des Gasverlustes ist somit kleiner als die Einwirkzeit (siehe Abb.).

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Abb. Akkumulation des gleichen ct-Produktes bei verschiedenen Begasungsszenarien

Die Dichtigkeit der Teilbegasung ist „schlechter" als die der Gesamtbegasung. Um bei der Teilbegasung mindestens das gleiche ct-Produkt wie bei der Gesamtbegasung zur Abtötung der gleichen Schädlingsstadien zu erzielen, muss die ct-Fläche unter der Gaskonzentration-Zeit-Kurve der Teilbegasung ebenfalls mindestens gleich groß wie bei der Gesamtbegasung sein. Um diese Mindestfläche zu akkumulieren, muss gezwungenermaßen die Konzentration c2 (=Anfangskonzentration) zu Beginn der Teilbegasung wesentlich höher sein als c1, da ja die Konzentration während der Einwirkzeit auch schneller abfällt. Liegt c2 jedoch über der behördlich (maximal) erlaubten Maximalkonzentration (beispielsweise c1) und darf somit nicht angewendet werden, sondern maximal c1, muss zum Erreichen des Ziel-ct-Produkts öfters SF nachdosiert werden. Es entstehen die typischen Nachdosier-Diagramme mit den Dosierungsspitzen (siehe Abb.).

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Weitere Beispiele für Teilbegasungen

Die verschiedenen „Szenarien" bei Teilbegasungen können mit Rechenprogrammen erfasst, simuliert und die Dosierungen berechnet werden: Präzisionsbegasung

Rechenprogramm

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Mit den Rechenprogrammen kann nach Eingabe der folgenden Begasungsparameter für jede individuelle Teilbegasung die optimale und damit minimale notwendige Anfangskonzentration des Begasungsmittels berechnet werden:
1. Schädling/ Stadium
2. Temperatur am Ort der Schädlinge (in der Teilbegasungszelle)
3. Abgeschätzte Zellendichtigkeit
4. Gebäudevolumen
5. Vorgesehene Einwirkzeit

Die Rechenprogramme werden auch während der Teilbegasung verwendet: Da eine Teilbegasungszelle nicht völlig gasdicht versiegelt werden kann, sinkt die anfänglich eingestellte Gaskonzentration im Laufe der Einwirkzeit unvermeidbar durch Gasverlust: Bei wenig Wandbegrenzungsflächen langsam, bei vielen aber schnell. Ausschlaggebend ist dann, ob die aktuell vorhandene Gaskonzentration in der Teilbegasungszelle noch für den Bekämpfungserfolg ausreichend ist.

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Die Software errechnet deshalb, ob die Lüftung zum vorgesehenen Termin erfolgen kann, ob die Einwirkzeit verlängert werden muss oder ob alternativ die mittlerweile gesunkene Gaskonzentration durch Nachdosierung wieder erhöht werden muss. Die Menge des nachzudosierenden Begasungsmittels wird dann ebenfalls berechnet.
Der Nachteil von Teilbegasungen ist, dass die Abdichtung auf Boden-, Wand- oder Deckenflächen geklebt werden muss und nach der Entfernung der Abdichtung meist streifenförmige Klebereste an diesen zurückbleiben oder sich sogar Putzteile lösen können.

Wandbeklebung

Klebereste
Wandbeklebung durch Teilbegasungen und streifenartige Klebereste nach der Belüftung und nach Abbau der Abdichtung

Ein weiteres Risiko bei Teilbegasungen ist, dass eine Reinfektion aus nicht-begasten Ausstattungsteilen resultieren kann. Welche Teile begast werden (also befallen sind) und welche außen vor bleiben (=unbefallen = befallsfrei sind), entscheidet meist ein Sachverständiger, Restaurator oder Firmenvertreter einer Begasungsfirma. Wird ein Ausstattungsstück als „nicht befallen" deklariert, gibt dies nicht die Gewähr, dass es nicht doch latent befallen ist (Latentbefall). Es können hierauf/hierin nämlich bereits Anobieneier abgelegt sein oder es fressen bereits von außen unsichtbar Junglarven des Gewöhnlichen Nagekäfer im Holzinneren. Diese können sich unbehelligt entwickeln und die begasten Teile erneut infizieren. Teilbegasungen sind nicht vorbeugend wirksam.

Anobien-Eier
Winzige abgelegte Anobien-Eier

Junglarve-im-Holz
Junglarve im Holz

Übrigens: An Kirchenwänden und –decken sitzende flugfähige Anobienkäfer werden durch Teilbegasungen ebenso nicht erfasst. Sie können nach der Entfernung der Abdichtung der begasten Ausstattungsteile diese wieder erneut infizieren (=Reinfektionsgefahr). Diese Käfer werden von uns nach einem patentierten Verfahren durch Raumvernebelung abgetötet.

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Reinfektionswege: Flugfähige Anobienkäfer an z.B. Wänden oder Anobieneier in nicht-begasten Ausstattungen können begaste Teile nach der Teilbegasung wieder erneut infizieren.

Anders bei einer Gesamtbegasung des Kircheninnenraums: Hierbei werden sowohl die abgelegten Anobieneier als auch die Anobienkäfer an den Böden, Wänden und Decken mitabgetötet, da der gesamte Raum begast wird.

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Durch die Gesamtbegasung werden alle Anobien und Stadien in allen Holzteilen abgetötet: Damit kein Reinfektionsrisiko!

Durch eine Gesamtbegasung ergeben sich keine Reinfektionsmöglichkeiten. Eine Gesamtbegasung hinterlässt kaum Abklebeschäden. Teilbegasungen deshalb nur in Ausnahmefällen ausführen! 

Allgemeine Informationen

Videoclips